Glas aus mittelalterlichem Brünn

Das Ziel des Projekts / Vorläufige Projektergebnisse / 1240 bis 1270 / 1270 bis 1350 / 1350 bis 1400 / 1400 bis 1450 / 1450 bis 1550 / Auswahlbibliographie

Das interne Projekt mit vorläufigem Titel „Glas aus mittelalterlichem Brünn“ wurde 2000 im Zusammenhang mit der Bearbeitung älterer Glasfunde und neuer Funde aus dem Raum von Velký Špalíček in Brünn gestartet. Mit der Leitung des Projekts wurde die externe Mitarbeiterin unserer Gesellschaft PhDr. Hedvika Sedláčková, CSc, beauftragt, die ebenfalls sämtliches Glas bearbeitet. Der Auswertung der Befunde und deren historischem Kontext widmet sich durchlaufend die Arbeitsgruppe von Archäologen der Geselllschaft Archaia Brno. Bisher wurde der Fundfonds aus 130 eingetieften Objekten bearbeitet, der ca 2200 Stk zählt und im Stadtmuseum Brünn aufbewahrt wird. Der genannte Fonds stellt ca 90% der Funde aus Brünn dar (Stand im Februar 2005).


Das Ziel des Projekts ist die Bearbeitung und Auswertung aller Funde von mittelalterlichem Hohlglas aus der Zeitspanne des 13. – 15. Jahrhunderts in Brünn unter Berücksichtigung anderer Funde aus der südmährischen Region. Bisher wurden Glasgegenstände aus archäologischen Grabungen im historischen Stadtkern Brünns nur wahlweise bearbeitet und publiziert. Durch seinen Umfang und seine Qualität stellt aber der Fundfonds aus Brünn eines der zahlreichsten und bedeutendsten Ganzen in der mitteldonauländischen Region (ca 2000 Exemplare). Bis zur Zeit um 1400 ist vor allem importiertes Glas vertreten, u.z. wahrscheinlich vor allem aus Italien, weniger aus deutschem Gebiet. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts kommen auch einheimische Erzeugnisse zum Vorschein, die nach 1400 überwogen. Die Bearbeitung aller Funde aus Brünn wird erlauben, nicht nur die Typologie und Chronologie mit überregionaler Geltung zu erarbeiten, sondern wird unbestritten auch zur Lösung der Fragen der Provenienz des importierten Glases und der Handelskontakte wesentlich beitragen. Bei ausgewählten Komplexen aus den jeweiligen Perioden werden auch weitere Komponenten der materiellen Kultur ausgewertet werden mit der Betonung der luxuriösen, ggf. importierten Gegenstände. Als Ergebnis des Projekts soll ein Buch erscheinen, das eine grundlegende Studie über die Entwicklung des Brünner Glases, einen Katalog der Funde mit der Charakteristik weiterer Komponenten der materiellen Kultur und des Fundmilieus, sowie eine Studie über Handelskontakte Brünns und Südmährens mit Ländern, woher wahrscheinlich das Glas stammt, eventuell mit den Importeuren, einbeziehen wird.


Vorläufige Projektergebnisse: Aus archäologischen Grabungen im historischen Stadtkern Brünns, die seit Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts vorgenommen werden, stammt eine überraschende Menge Hohl- sowie Fensterglas. Die absolute Mehrheit der Funde stammt aus Ausfüllungen der Abfallgruben, weniger aus Brunnen. Sehr reich und bedeutend sind Kollektionen aus dem Raum des sog. Velký Špalíček, vor allem aus der Dominikánská-Straße 5 und 7, Dominikánská-Straße 11 – 19 und Mečová-Straße 2. Weitere stammen aus dem Dominikanerplatz, dem Freiheitsplatz 17 (Haus der Herren von Lipá), Kozí-Straße 4, Kobližná 3 und 4, Petrov 2, Panenská-Straße, Jakubská-Straße und Rašínova-Straße. Anhand der Analyse des Hohlglases und des bisherigen Erkenntnisstands der Chronologie mittelalterlicher materieller Kultur in Brünn konnten in der Zeitspanne 1240 – 1550 sechs Zeithorizonte unterschieden werden, in deren Rahmen das Formenrepertoire abgeändert wurde. Für diese Perioden wurde die Typologie des importierten Glases und die Grundlagen der Typologie der einheimischen Glasproduktion erarbeitet.

Vorläufige Ergebnisse zeigen, daß bis Mitte des 15. Jahrhunderts nach Brünn vor allem qualitätsvolles Glas aus Mittelmeerraum (Italien) importiert wurde. Die Einfuhr war auf Brünn und nächste Umgebung beschränkt. In Städten Mittel- und Nordmährens oder in Böhmen kommen diese Waren nur vereinzelt zum Vorschein. Erzeugnisse einheimischer Glashütten setzen sich auf dem Brünner Markt im Laufe des 15. Jahrhunderts durch, aber ihre Typologie wurde bisher nicht erarbeitet. Deutsche Waren geraten nach Brünn erst in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und sind auf einige wenige Grundtypen beschränkt.



1240-1270
Aus zehn Objekten stammen 48 Gefässe, die sieben Grundtypen darstellen::
1) Die Kanne (I.1.), das Glas mit optischem Dekor (IV.1.) und Tassenfragmente (VII.1.) sind aus farblosem Glas.
2) Die zahlreichste Gruppe bilden Flaschen mit Innenring aus hellgrünem (III.1.), blauem (III.2.) oder braunem oder violettem (III.3.) Glas.
3) Flaschen mit angeschmelzten Rippen (II.1.,2.) aus braungelbem, sattviolettem oder gelblichem Glas sind nur aus dieser Periode bekannt.
4) Gefässe aus hellgrünem Glas wurden wohl jenseits der Alpen hergestellt, bei den restlichen wird die Provenienz im Mittelmeerraum (Italien) vorausgesetzt.


1270-1350
Aus dieser Periode stammen Kollektionen mit den reichsten Funden. Einige Typen und Varianten kommen nur im angenommenen Raum des Markgrafensitzes vor.
1) Die zahlreichste Gruppe stellen Nuppengläser dar: IV.1.1. mit großen schneckenförmigen Nuppen sind immer aus braunem/braungelbem Glas.
2) Gläser mit Spitznuppen (IV.1.2.) und kleinen gerollten Nuppen (IV.1.3.) sind aus leicht gräulichem Glas.
3) Die zweitgrößte Gruppe bilden Flaschen mit Innenring (III.3.), meistens aus gräulichem Glas.
4) Zahlreich sind auch Tassen, vor allem jene mit feinen (VII.2.) und ausgeprägten (VII.3.) Rippen.
5) Erzeugnisse aus braunem/violettem Glas treten zurück.


1350-1400
Die Menge der Funde bleibt stabil, es ändert sich jedoch das Repertoire.
1) Neben Kännchen aus Glas in der Farbe des Siegelwachses (I.1) kommen Krüge (I.2.) zum Vorschein.
2) Überraschend stark sind Tischflaschen (I.3.) vertreten.
3) Die Zahl der Flaschen mit Innenring (III.3.) nimmt ab und ähnlich wie Nuppengläser (IV.1.) und Tassen (VII.2.,3.) sind sie entweder aus dickwandigem, gräulichem oder dünnwandigem, farblosen Glas hergestellt.
4) Eine neue Variante stellt das Rippenglas (IV.4.2.) dar.
5) Nuppengläser sind oft klein.
6) Ausnahmetypen stammen wieder aus dem Areal des wahrscheinlichen Markgrafensitzes (VIII.)
7) Erzeugnisse aus braunem/violettem Glas kommen nicht mehr vor.
8) Tischflaschen, Nuppengläser und Becher kommen auf Adelssitzen in der Umgebung Brünns vor.
9) In den Kollektionen tauchen allmählich auch Erzeugnisse böhmischer oder mährischer Glashütten auf (z.B. IV.1.5.).


1400-1450
Ca 60% der Funde stellt Glas aus einheimischen Glashütten dar, vor allem hohe Gläser böhmischen Typs. Die Formenskala der importierten Gefässe wurde stark eingeengt und innoviert und Glas kommt auch im Milieu ärmerer Bürgerschichten zum Vorschein.
1) Flaschen mit Innenring verschwinden total.
2) Nuppengläser sind nur durch Varianten mit Spitznuppen (IV.1.2.) vertreten, ihr Körper ist faßförmig mit niedrigem Rand. Einige davon sind aus hellem grünblauem Glas hergestellt. Ein Paar Miniaturgläser mit Nuppen können für Kinderspielzeug gehalten werden.
3) Eine Neuigkeit stellen Gläser mit polygonaler Kuppe (IV.1.4.) und hohem glattem Oberteil (IV.1.7.) dar.



1450-1550
Glaswaren aus dieser Periode sind aus mehreren reichen Abfallgruben im Raum der Häuser kirchlicher Würdenträger und reicher Bürger bekannt. Importiertes Glas bildet rund 30 % der Funde.
1) Das mit Email verzierte Rippenglas und das hohe Nuppenglas aus blauer Glasmasse sowie Fragmente einiger weiterer Gefässe stammen aus italinienischen (venezianischen) Glashütten.
2) In deutschen Glashüten wurden vor allem Erzegnisse aus hellblaugrünem Glas hergestellt: faßförmige Gläser mit großen Nuppen, hohe Walzengläser mit großen Nuppen, Gläser mit optischem Rippen- und Linsendekor.
3) Glatte Gläser. Gefässe aus dem sog. Waldglas oder farblosem Glas sind in Minderheit.
4) Einige, in Deutschland verbreitete Typen wie z.B. „Maigelein“-Gläser oder „Kreuzrippenbecher“ kommen in Brünn oder sonst in Mähren in keinem einzigen Exemplar vor.
5) Deutscher Herkunft können auch einige Exemplare der hohen „Keulengläser“ sein.


Auswahlbibliographie zum mittelalterlichen Glas aus Brünn:

Černá, E. 1994: Středověké sklo v zemích koruny české. Katalog výstavy, Most, s. 105 - 107.
Himmelová, Z. 1990: Sklo středověkého Brna – Mittelalterliches Glas in Mähren. In: Archaeologia Historica 15, s. 437-445.
Merta, D. - Peška, M. - Sedláčková, H. 2002: Příspěvek k poznání středověkého skla z Brna – Ein Beitrag zum Erkentniss mittelalterlichen Glases aus Brünn. In: Pravěk NŘ 12, 359-412. Brno.
Sedláčková, H. 2003: Typologie des Glases aus dem 13. und 14. Jahrhundert aus Brünn, Mähren. In: Auf gläsernen Spuren. Berichte zur mittealaterlichen Archäologie in Österreich Band 19, 127-138. Wien.
Sedláčková, H. v tisku: Abriss einer Typologie der mittelalterlichen Glasimporte aus Brno/Brünn, Mähren (Tschechische Republik), Annales du 16e Congres de l´Association Internationale pour l´Histoire du Verre (London 2003 – odevzdáno do tisku v lednu 2004).



Der Herstellungsprozess von eine Lampe in Brünn gefunden. Weiter Haidl - Lampe 2006. Mehr …



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Das Projekt wird bisher ohne jede externe finanzielle Förderung durchgeführt, meistens auf eigene Kosten von PhDr. Hedvika Sedláčková und der Gesellschaft Archaia Brno.

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